Théorie psychanalytique

 
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Dieses Begehren, das ich ungewollt bin - und dem ich ungewollt folge...

Auteur : Nicolas Dissez 19/01/2003

Bibliographies Notes

Gegenüber Arbeiten, die sich als psychoanalytische Deutungen literarischer Werke präsentieren, kann man oftmals nur Bedenken äussern. Zu betonen ist andererseits, wie sehr Literatur eine lebhafte Erklärung mancher analytischer Begriffe, auf die wir uns beziehen, darstellen kann. Wir berücksichtigen hier nur den Begriff des Begehrens und wir erinnern uns an einige seiner Merkmale, die Lacan herausstellte: "die Psychoanalyse erkennt im Begehren die Wahrheit des Subjekts", "das Begehren des Menschen nimmt als Begehren des Anderen Gestalt an", "das Begehren ergibt sich für das Subjekt aus der Notwendigkeit, sein Bedürfnis durch den Strom des Signifikanten zu schicken", "die Übertragung setzt das Subjekt an die Stelle seines Verlangens in einer Position, die es nur durch das Begehren halten kann".

Wir können diese strukturellen Elemente mit der folgenden Lektüre des Essays der "Literaturtäuschung" veranschaulichen. Blaise Cendrars, Bewunderer von Gustave Lerouge und darauf bedacht, den poetischen Wert dessen Romane zu zeigen, beschliesst, einen Text von Lerouge mit dem Titel "Der mysteriöse Doktor Cornélius" zu zerschneiden und die Fragmente wieder zusammenzufügen, um eine Gedichtreihe herzustellen. Hier ist die Anekdote, die Blaise Cendrars selbst erzählt:

... Ich war so grausam, dass ich Lerouge einen Gedichtband brachte und ihn aus eigener Anschauung – indem ich ihn bat, ihn zu lesen - ungefähr zwanzig originale Gedichte, die ich mit der Schere zerschnitten hatte, erkennen liess. Diese hatte ich unter meinem Namen veröffentlicht! Das war ganz schön frech. Aber ich musste auf diesen Trick, der an Taktlosigkeit grenzte, zurückgreifen und das Risiko, seine Freudschaft zu verlieren, eingehen, um ihn dazu zu bringen, einzuräumen - trotz dem und gegen all das, was er behaupten konnte, indem er sich verteidigte - dass auch er Dichter war, sonst hätte dieser Starrkopf das niemals zugegeben.(...) Während ich lachte, verleitete ich den Freund Lerouge dazu, "meine" Urheberrechte bei "Francis", am Almaplatz in der Nähe meiner Wohnung zu vertrinken; jeder eine Magnumflasche Champagner, sehr guter. (*)

Eine solche List hebt unbedingt die Frage darüber, was ein Autor ist, das heisst ein begehrendes Subjekt, hervor. Wenn Blaise Cendrars tatsächlich zur Feder, oder eher zur Schere, greift, dann tut er dies wohl, um sich an einen Anderen, hier Gustave Lerouge, zu wenden. In dessen Werk möchte er das poetische Objekt, das schon immer seine Schreibarbeit in die Mitte rückt, aufstöbern (wir erinnern uns, dass er Romanautor, Dichter aber auch Journalist war).

Infolge des Zwangs, den er sich auferlegt, wird ihm sein Wortschatz tatsächlich vom Anderen aufgezwungen.

Die literarische Schöpfung, die aus seiner Arbeit hervorgeht, kann hingegen nur von Blaise Cendrars selbst unterschrieben werden, und es ist ganz logisch, dass ihm die Urheberrechte zukommen.

Dank seiner Mühe können wir hier überprüfen, dass der Autor eines Werkes, derjenige der dort seinen Namen – als das Begehren, das ihn bestimmt - einfügen kann, in keinem Fall derjenige ist, der dafür den Wortschatz auswählt, sondern vielmehr derjenige, der hier die Schere hält, das heisst, der Verantwortliche des Zerschneidens und der Anordnung der Wörter im Signifikantennetz.

Notes

(*) Blaise Cendrars, Du monde entier ("Von der ganzen Welt"), Gallimard, 1967, S. 133

Bibliographie