Théorie psychanalytique

 
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Begehren ohne das Buch der Bücher ?

Auteur : Claude Landman 19/01/2003

Bibliographies Notes

Wenn es wahr ist, dass unsere Wissenschaftsepoche sich dadurch kennzeichnet, dass in ihr - ohne mögliche Rückkehr - das Buch der Bücher auf dem besten Wege ist, vollständig zu verschwinden und die durch das Wort Gottes errichtete Stelle des Mysteriums abgeschafft wird, dann wird der Status des Begehrens - d. h. das Verhältnis des Subjekts als Ergebnis der Sprache mit dem Mangel eines Objekts, das das Begehren bis zur Weissglut aufflammen lässt - höchst problematisch. Ebenfalls problematisch wird der Status der Realität, der Vorstellungswelt und des Anscheins. Diesen Status lässt das Begehren hervortreten und es ist mit ihm eng verstrickt, weil beide aus dem gleichen Stoff bestehen: der Stoff des Signifikanten.

Ohne diese Stützung durch die Mysteriums-Dimension, die seit den uralten Zeiten der Initiationsriten das Begehren verursachende Objekt verschleiert, wird das Begehren selbst für jeden rätselhaft und seine Ausdrücke in der Wirklichkeit werden als unstet, unergründlich, fremd oder sogar belästigend empfunden. Freud war für diese moderne Schwierigkeit der Subjektivierung des uns leitenden Begehrens, die er offenbar selbst empfunden hatte, und für dieses individuelle und kollektive Unbehagen empfänglich.

Wir verdanken ihm die Psychoanalyse, das heisst diesen Versuch, den Lacan übernahm, das Begehren von der obskurantistischen Schale zu befreien. In dieser hält sich es bis heute, sowohl im Unbewussten als auch in der Wissenschaft, in der es Zuflucht gefunden hat.

Offen gesagt, der Algorithmus des Begehrens wurde von Lacan geschrieben: B(A), Begehren des Anderen, wie auch das Objekt, das es verursacht: Objekt a, und die Fantasie, nach der es sich richtet.

Wenn auch definitionsgemäss das Begehren nicht im Register des Gesagten artikuliert werden kann, da es nur erhalten bleibt, wenn die Dimension des Sagens bewahrt bleibt, dann ist es doch durch die Analyse für jeden möglich, zu wissen, wie sein bzw. ihr Begehren artikuliert ist.

Die Wiederaneignung der vom Begehren gefärbten Wirklichkeit ist also möglich; und jeder kann dazu gebracht werden, zu akzeptieren, dort das Geschlechtliche unter dem Mann-Signifikanten oder dem Frau-Signifikanten darzustellen, ohne dass es noch nötig ist, sich auf einen Vorfahren oder ein Objekt zu beziehen. Das Begehren erhaltende metonymische Objekt sollte vielmehr durch folgendes geschaffen werden: durch das Zusammentreffen von Mann und Frau und durch das Wissen über den Bruch, der beide verbindet, indem er sie trennt. Die letzten Erarbeitungen Lacans über den boromänischen Knoten scheinen in diese Richtung zu gehen.

Doch auch wenn die Analyse eine individuelle Unternehmung ist, kann diese nicht ungesellig bleiben. Sind wir bereit, Lacan auf diesem Weg zu folgen ? Das Analytiker-Begehren dort zu engagieren ? Darüber muss jeder selbst entscheiden.

Notes

Übersetzung von Anne Ropers

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