Langues étrangères

 
  • Imprimer
  • Envoyer

Das Begehren des Analytikers

Auteur : Bernard Vandermersch 19/01/2003

Bibliographies Notes

Freud sagt, dass die Wissenschaft das Ideal der Psychoanalyse ist. Zweifellos betrachtete er sie als einen notwendigen Deich, um den "Schlammfluss" des Okkultismus einzudämmen.

Doch Lacan findet einen anderen Fluss in Freuds Werk: "einen Feuerfluss", und im Menschen findet er einen "Menschen des Begehrens, eines Begehrens, dem er gegen seinen Willen folgte" (Ecrits S.642). Man könnte also denken, dass dieses Wissenschaftsideal auch als Schutz gegen das eigene Begehren des Begründers der Psychoanalyse funktionieren konnte.

Lacan sagt uns, dass die Spur dieser Wissenschaftlichkeit – die bei manchen Analytikern Scham hervorruft - einen wesentlichen Teil der freudschen Entdeckung darstellt.

In den "Vier Grundbegriffen" behauptet Lacan jedoch, dass es wichtig ist, dieses ursprüngliche Begehren in die Konzeptualisierung der Analyse wieder einzuführen, da die Präsenz des Analytikers zum Begriff des Unbewussten gehört und seine Art der Präsenz ist untrennbar vom Begehren, das ihn dazu bringt, als Analytiker tätig zu sein.

In der Lektion des 5. Februar ’64 gibt Lacan darüber Auskunft, indem er sein theoretisches Verhältnis zu Freud hinterfragt. Er sagt etwa dies: "In einem Text Freuds einen rätselhaften Hinweis auf das, was ich selbst von meiner Praxis ausgehend behauptet habe, zu finden, das ist für mich das Anzeichen dafür, dass ich auf dem Wege seiner Gewissheit vorankomme (der Gewissheit Freuds). Da das Subjekt der Gewissheit – in dem Moment, in dem ich mich an Sie richte - hier gespalten ist; die Gewissheit hat Freud".

Doch diese Gewissheit Freuds stützt sich zweifellos auf die Übereinstimmungen, die er in der Kur der Wiederkehr des Verdrängten erreicht, aber sie kommt nicht von dort zu ihm. Lacan sagt, dass sie dadurch zu ihm kommt, dass er das Gesetz seines eigenen Begehrens erkennt, als welches es in seiner – vom Namen-des-Vaters abhängigen – Selbstanalyse erscheint.

Im gleichen Seminar bemerkt Lacan, dass der Unterschied zwischen moderner Chemie und alter Alchemie darin besteht, dass die Seelenqualität des Forschers, die Reinheit seines Begehrens, nicht mehr auf das Resultat einwirkt. Heutzutage interessiert das Begehren des Physikers die Physik nicht. Auf die moderne Wissenschaft wirkt das Subjekt nur noch, zumindest expliziterweise, als – so richtig genannten - subjektiven Fehler ein.

Die Wiedereinführung des Analytiker-Begehrens in die Konzeptualisierung der Analyse ist keine Regression in die vorwissenschaftliche Ära, sondern eine Herausforderung unserer Modernität: eine rationale Behandlung des von der Wissenschaft verworfenen Subjekts, und das mit einer Methode, die dessen Wesensart berücksichtigt, und die über die Modalitäten - nach denen die Modernität die Subjekt-Struktur verändert - Auskunft gibt.

Es ist umso dringend, Lacans Arbeit bekannt zu machen und weiterzuführen, als dass unsere Postmodernität dem Aufbranden der obskurantistischen Tendenzen des Ichs – das sich zum Beispiel durch die aktuelle Psychotherapeuten-Bewegung bemerkbar macht – nichts mehr entgegenzusetzen scheint zu haben.

Notes

Übersetzung von Anne Ropers

Bibliographie